Madeira – Natur, Kultur und Wein
Reisegeschichte von Corinne Senn, Twerenbold Reisewelt
20. – 25. September 2025
Vielen ist bekannt, dass Madeira wunderbare Landschaften und eine fantastische Pflanzenwelt zu bieten hat. Mit den Freiämter Weinfreunden durfte ich nun aber auch noch Madeiras interessante Weine sowie die Geschichte und Kultur dieser vielfältigen Insel kennenlernen.
Die Insel liegt ca. 1000 Kilometer süd-westlich von Lissabon und verfügt über ein „frühlingshaftes“ atlantisches Klima, dies mit sehr ausgeglichenen Tagestemperaturen. Auch im Winter sinken die Werte kaum unter 13 Grad.
Madeira hat eine Fläche von 741 km², mit einer maximalen Längenausdehnung von 57 km und einer maximalen Breite von 22 km. Die höchsten Berge erreichen eine Seehöhe von ca. 1.870 m. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und sehr zerklüftet; aber vollständig bewachsen. Der „Laurisilva“ – der Jahrhunderte- wenn nicht Jahrtausende alte Lorbeerwald im Landesinneren gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Naturwundern weltweit. („Madeira“ heisst übrigens auf Portugiesisch „Holz“). Inzwischen wurde die Region Santana zum „Biosphärenreservat“ der UNESCO ernannt. Auf dem Weg zur Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe sind zudem die Levadas, ein einmaliges, inselumspannendes künstliches Bewässerungssystem, das den Transport des Wassers aus den niederschlagsreicheren Gebieten zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten sicherstellt.
Madeira ist ein Archipel, zu dem auch die Inseln Porto Santo sowie die Inselgruppen Desertas und Selvagens gehören. Letztere sind unbewohnt und als Naturreservate geschützt. Politisch gehört Madeira zu Portugal, die Landessprache ist portugiesisch, welches mit einem starken Akzent gesprochen wird.
Währen der ganzen fünftägigen Reise wohnten wir im Hotel Barcelo Oldtown Funchal. Dieses empfehlenswerte Erstklasshotel im Boutiquestyle liegt zentral und bietet von der Terrasse mit Rooftop-Bar und Pool einen fantastischen Blick auf den Atlantik und über die Stadt.
Nach dem Anreisetag machten wir uns am zweiten Tag auf zu den ersten Entdeckungen der Insel.
Das Wetter zeigte sich zu Beginn von seiner vielfältigen Seite und wir lernten Madeira am Morgen auch bei etwas Regen kennen. Die Ponta de São Lourenço ist die wohl bekannteste Klippenformation ganz im Nordwesten der Insel. Sie ist bei jeder Witterung ein Besuch wert. Ich habe hier auch schon eine wunderbare Wanderung unternommen.
Rum-Destillerie «Engenhos do Norte» in Porto da Cruz im wilden, rauen Norden Madeiras:
Die letzte mit Dampfbetrieb arbeitende Rum-Destillerie bietet einen eindrücklichen und unterhaltsamen Rundgang an. Es ist eine Reise in die Vergangenheit der historischen Zuckerproduktion. Bei der Degustation des Rums lernten wir, wie man diesen richtig probiert und wie unglaublich viele Unterschiede es gibt.
Am dritten Tag besuchten wir das idyllische Fischerdorf Camara de Lobos. Nach einem Spaziergang durchs Dorf besuchten wir mit «Henriques & Henriques» unser erstes Weingut und probierten die edlen Weine natürlich auch. Auch beim nächsten Weingut «Barbeito» kamen wir nochmals in den Genuss der feinen Tropfen. Diese Flaschen gefallen zusätzlich mit ihren originellen Etiketten.
Der Ort unseres Nachtessens ist auf jeden Fall auch erwähnenswert: Die Quinta das Vinhas, oberhalb von Estreita da Calheta. Das traditionelle Landgut stammt aus dem 17. Jahrhundert, wurde liebevoll restauriert, um Anbauten erweitert und in ein charmantes Feriendomizil umgewandelt. Es ist ein wunderbarer Ort der Ruhe mit einer fantastischen Aussicht, im Westen der Insel. Diese genossen wir bei bestem Wetter und wunderbarem Sonnenuntergang.
Die Höhepunkte des vierten Tages waren sicher die kurzen Wanderungen zum Kennenlernen des Levada-Wassertransport-Systems auf dem «Encumeada-Pass» sowie der Rundgang im geschützten «Laurisilva» (Lorbeer-Urwald).
So besuchten wir auch nochmals den Norden mit seinen landschaftlichen Höhepunkten und fantastischen Gesteinsformationen sowie das karge Hochplateau. Hier wähnt man sich in einer anderen Welt. Dieses spezielle Erlebnis sollten Sie auf einer Madeira-Reise nicht verpassen.
Den letzten Tag vor unserer Heimreise widmeten wir ganz der Inselhauptstadt Funchal. Wir besuchten den Markt, das Weinmuseum sowie eine traditionelle Fabrik mit Stickereien.
Die Degustation bei «Pereira d’Oliveira» war ein krönender und unvergesslicher Höhepunkt dieser abwechslungsreichen Reise. Für mich waren es die besten Weine, die ich auf dieser Reise geniessen durfte.
Am Nachmittag genoss ich noch ein Bad im frischen Atlantik und war sicher, dass es für mich nicht der letzte Besuch auf dieser Insel war. Es gibt noch viel zu entdecken.
Die Reise wurde von unserer lokalen Partneragentur Destino Madeira organisiert. Das Schweizer Paar ist in Santa Cruz auf Madeira wohnhaft und kennt daher das Leben auf der Insel aus erster Hand. Sie sind flexibel und haben diese Reise wunderbar organisiert und begleitet.
Wir können mit ihrer Unterstützung auch viele individuelle Wünsche ermöglichen.
Auf den Weingütern lernten wir viel über den typischen Madeirawein. Wir hatten mit Dr. Maria Luise Stangl aber auch eine fachliche Reisebegleitung. Sie ist Weinakademikerin und lebt seit 15 Jahren auf der Insel.
Der Madeirawein
Madeirawein – der von der gleichnamigen portugiesischen Insel stammende alkoholverstärkte Wein – ist wohl der eigenständigste Wein dieser Kategorie.
Seinen Geschmack und seine anderen Eigenschaften – vor allem die Beständigkeit über Jahrhunderte hinweg – verdankt dieser Wein seiner spezifischen Produktionsweise durch einen langsamen Erwärmungsprozess und die lange Holzfasslagerung, welche ihren Ursprung in der Geschichte und Tradition dieser Insel haben.
Seine Langlebigkeit zeigt sich nicht nur in der langen Lagerfähigkeit – auf der Insel gibt es noch Weine, die bis 1795 (also das Zeitalter Napoleons) zurückgehen und immer noch ausgezeichnetes Trinkvergnügen bieten – sondern auch in dem Umstand, dass angebrochene Flaschen über mehrere Wochen und sogar Monate keine Einbussen im Geschmack erleiden. Das macht diesen Wein zu einer interessanten Alternative zu Süssweinen oder anderen fortifizierten Weinen in der Gastronomie zum glasweisen Ausschank.
Die von trocken über halbtrocken, halbsüss und süss erhältlichen Weinstile, die jeweils durch die entsprechenden weissen Rebsorten Sercial, Verdelho, Boal und Malvasia gespiegelt werden, können allein getrunken werden, aber auch ein ganzes Menu begleiten.